Was möglich wäre: Wirtschaftswachtum, Arbeitsplatzaufbau und Wohlstandsgewinn in Nordrhein-Westfalen

01.12.2013

Beitrag von Hendrik Wüst zum NRW Report - Ausgabe 12-2013

„Was wäre, wenn…“ ist ein Spiel, das nicht nur in der Politik dann und wann gerne gespielt wird und selten von Realitätsnähe geprägt ist. In der Studie „NRW 2020 – Unser Land, unsere Zukunft“ hat die Unternehmensberatung McKinsey&Company jedoch genau das getan und kommt zu erstaunlichen Ergebnissen – in diesem Fall mit Realitätsbezug!

Ein Blick in die Studie zeigt Folgendes: Nordrhein-Westfalens Wirtschaft fällt seit 1980 im Vergleich zu den sieben anderen Flächenländern immer weiter zurück.  Heute liegt Nordrhein-Westfalen drei Prozentpunkte unter dem Wachstumsdurchschnitt, während Länder wie Bayern und Hessen ihre Wirtschaftskraft überdurchschnittlich steigern konnten. Die absoluten Zahlen machen es deutlich: Das BIP pro Kopf beträgt in NRW heute 32.600 EUR – hingegen in Bayern 36.900 EUR, in Baden-Württemberg 36.000 EUR und in Hessen 37.700 EUR.

Woran liegt’s? Ein Hauptgrund für die Wachstumsschwäche Nordrhein-Westfalens ist laut McKinsey die schwache Performance der Sektoren. Daraus resultiert der reale BIP-Wachstumsrückstand beispielsweise im Vergleich zu Bayern, der im vergangenen Jahrzehnt acht Prozentpunkte betrug. Eine der Ursachen: Geringe Produktivität. So ist die Arbeitsproduktivität im verarbeitenden Gewerbe, in dem ein Viertel der Beschäftigten in NRW tätig ist, um sieben Prozent niedriger als in Bayern. Dafür verantwortlich sind die unterdurchschnittlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie die niedrige Neuanlagenquote in Nordrhein-Westfalens Privatwirtschaft. Der Anteil der tatsächlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung am BIP liegt um beachtliche 41 Prozent unter dem branchenbereinigten Bundesschnitt. Hingegen zeigt sich Baden-Württemberg besonders forschungsstark und liegt 27 Prozent über dem Durchschnitt.

Das gleiche Bild zeigt sich bei den Investitionen in Neuanlagen. Seit zehn Jahren tragen sie nur unterdurchschnittlich zum Bruttoinlandsprodukt in Nordrhein-Westfalen bei: Während hierzulande 18 Prozent des BIPs in neue Anlagen investiert wurden, liegt die Quote in Bayern und Baden-Württemberg um bis zu 5,7 Prozentpunkte höher.

Investitionsrückstände sind nicht die einzigen Bremsen der Wirtschaftskraft Nordrhein-Westfalens. Das Land weist zudem deutlich kürzere Arbeitszeiten pro Einwohner von minus 13 Prozent gegenüber dem Bundesschnitt auf. Das bedeutet nicht, dass die Beschäftigten in NRW weniger arbeiten; vielmehr ist die rechnerische Anzahl an Arbeitsstunden pro Einwohner geringer, weil wertvolle Potenziale ungenutzt bleiben.

Soweit der Status quo nach McKinsey. Und die gute Nachricht: Nordrhein-Westfalen bietet genug Potenzial, um langfristig zu den Top-3-Flächenländern aufzuschließen. Dazu ist bis 2020 ein zusätzliches BIP von 27 Mrd. EUR erforderlich. Dies würde mehr als 300.000 neue sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse schaffen. Hinzu kämen Steuermehreinnahmen von rund 6,1 Mrd. EUR insgesamt, davon 3,2 Mrd. EUR für Land und Kommunen. Unterstellt man rechnerisch einen allgemeinen Wachstumstrend von 1,6 Prozent pro Jahr, so könnte Nordrhein-Westfalen ein zusätzliches Wachstum von 0,5 Prozentpunkten erzielen und bei Erhaltung dieses Wachstumstrends langfristig zu den Top-3-Flächenländern aufschließen.

Dazu gilt es laut McKinsey, Wachstumshebel zu nutzen und bessere Rahmenbedingungen zu schaffen.  Die in der Studie identifizierten Wachstumsfelder basieren auf den in NRW starken Branchen Logistik, Rohstoffverwertung und Chemie, Handel und Telekommunikation sowie Gesundheit. Die vier Wachstumsfelder „Circular Economy“, „Urbane Mobilität“, „Neuer Handel“ sowie „Zukunft Pflege“ sollen flankiert werden durch bessere Technologie und höhere Investitionen, durch effizienten Verkehrswegebau und durch eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen. Bei vollständiger Umsetzung könnte dieses Wachstumsprogramm die rund 27 Mrd. EUR zusätzliches BIP generieren, die notwendig sind, um Nordrhein-Westfalen in die Spitzengruppe der Flächenländer zu bringen. 

Klingt gut! Und sollte Richtschnur der Wirtschaftspolitik unseres Landes sein. Doch weit gefehlt: Mit wirtschaftspolitischen Sünden wie dem Tariftreue- und Vergabegesetz, dem Klimaschutzgesetz, der Erhöhung des Wasserentnahmeentgeltes oder der flächendeckenden Erhöhung der Gewerbesteuer sorgt die rot-grüne Landesregierung dafür, dass der schleichenden Deindustrialisierung durch Deinvestition Vorschub geleistet wird.

McKinsey hat den Weg vorgezeichnet – als CDU fordern wir die politische Umsetzung ein:

  • Abschaffung investitions- und forschungsfeindlicher Gesetze
  • Änderung mittelstandsbelastender Gesetze und Verordnungen
  • Umsetzung industrieller Großprojekte
  • Reduzierung der Abgabenlast für Industrie, Mittelstand, Handwerk und Freiberufler,
  • Investitionsfreundliche Novelle des LEP
  • Fokussierung von Fördermitteln des Bundes und der EU auf Forschung und Entwicklung sowie Mittelstands- und Gründerförderung
  • Ausbau und Erhalt der nordrhein-westfälischen Infrastruktur, insb. des Straßen- und Schienennetzes sowie des Breitbandes
  • Verzicht auf die geplante Novellierung des Hochschulfreiheitsgesetzes

Was wäre, wenn…? Das zeigt die Studie „NRW 2020 – Unser Land, unsere Zukunft“ sehr deutlich: Wirtschaftswachstum, Arbeitsplatzaufbau und Wohlstandsgewinn in Nordrhein-Westfalen. Als Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU ist es unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass aus dieser Möglichkeit Realität wird.