Mega Was?

01.03.2015

Es ist von existentieller Bedeutung, wie sich ein klassischer Industriestandort wie Nordrhein-Westfalen beim Zukunftsthema Industrie 4.0 aufstellt.

Dieser Neustart ist gründlich misslungen. Am Anfang des neuen Jahres sollte für die Landesregierung endlich alles anders werden. Denn 2014 war für Rot-Grün in Nordrhein-Westfalen ein völlig verkorkstes Jahr: Der willkürliche Eingriff in die Beamtenbesoldung und die daraus resultierende Klatsche vom Verfassungsgericht sowie zahlreiche Kabinettsskandale wie Gewalt in Asylbewerberheimen oder die Funklochaffäre von Frau Kraft waren nur die Spitze des Eisbergs. Eine Regierungserklärung der Ministerpräsidentin zum Thema Industrie 4.0 sollte den Umschwung bringen, provozierte aber selbst ihr sonst wohlgesonnene Journalisten nur zu teils hämischen Verrissen.

Unter der Überschrift "MegaBits. MegaHerz. MegaStark." reihte Frau Kraft vermeintlich medienwirksam Beispiele des digitalen Wandels aneinander - vom Kunstherzen der RWTH Aachen bis zum Versprechen, bis 2018 (fast) alle Haushalte an das Hochgeschwindigkeitsinternet angeschlossen zu haben. Einzig eine klare Strategie fehlte. Die Realität hinter den Worthülsen ist da eher „Mega-Peinlich“.

Dabei ist die Frage, wie sich ein klassischer Industriestandort wie Nordrhein-Westfalen beim Zukunftsthema Industrie 4.0 aufstellt, von existentieller Bedeutung für unser Land. Laut einer Prognos-Studie kann die Digitalisierung unserer Wirtschaft bis 2025 über 15 Mrd. Euro an zusätzlicher Wertschöpfung generieren. Wir müssen uns daher die Frage stellen, wie wir Rahmenbedingungen schaffen, die es der Wirtschaft erlauben, in diesem dynamischen und schnelllebigen Prozess des Wandels Schritt zu halten. Hierzu haben wir als Wirtschaftsflügel der Union bereits im vergangenen Jahr Antworten gegeben und Handlungsfelder aufgezeigt. Der Beschluss „Wachstum digital – Bits und Bytes und Arbeitsplätze“ ist  Bestandteil der CDU-Fraktionsarbeit im Landtag. Wir haben das Thema zu unserem gemacht und intensiv mit Experten diskutiert.

Wie wichtig zusätzliche Wertschöpfung für unser Land ist, zeigt eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey aus dem Jahr 2013. Nach Berechnungen von McKinsey ist die Wirtschaft im Freistaat Bayern allein zwischen 2000 und 2012 um 8 Prozentpunkte stärker gewachsen als in Nordrhein-Westfalen. Wäre die Wirtschaft im genannten Zeitraum hierzulande genauso stark gewachsen wie in Bayern, hätten wir heute 300.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse mehr sowie jährlich Steuermehreinnahmen in Höhe von 3,2 Milliarden Euro. Dies entspricht der Nettoneuverschuldung des Landes für 2014. Ein Baustein für mehr Wachstum muss eine erfolgreiche Digitalisierungsstrategie sein. Die Anträge der CDU-Landtagsfraktion, insbesondere zur digitalen Infrastruktur als Basis für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Wachstumsstrategie, zeigen einen gangbaren Weg auf.

Nicht nur die Industrie steckt mitten in der vierten industriellen Revolution, sondern alle Wirtschaftsfelder sind davon betroffen. Vernetzte Maschinen und „intelligente“ Produkte, die Daten über sich selbst auswerten, die wissen, wann sie produziert wurden, wie viel sie schon gearbeitet haben, wann sie gewartet werden müssen und wann sie ausgedient haben, machen die Herstellung von Unikaten in der Massenproduktion möglich. Der Kunde kann Einfluss auf das Produkt und auf Veränderungen im laufenden Betrieb nehmen. Dies hört sich nach Zukunftsmusik an, ist aber bereits Realität.

Aus diesen Entwicklungen Zukunftschancen für unser Land zu machen, bestimmt auch in diesem Jahr die Agenda der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU in Nordrhein-Westfalen. Wir laden Sie herzlich ein, sich an der Diskussion zu beteiligen.

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